Magdalene Georg und Stadtverordnetenvorsteher Jürgen Ambrosius begrüßten die Teilnehmer der Radtour am Ortseingang von Leun. Zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zählten u.a. der Oberbürgermeister von Wetzlar, Herr Manfred Wagner sowie der Vorsitzende des Vereins „Wetzlar erinnert“, Herr Ernst Richter (Wetzlar).

Bei einer kleinen Rast (Rastplatz gegenüber von REWE) wurden die frisch gebackenen, noch warmen  Brezeln von Karin Roos gerne angenommen.

Gerd Mathes führte uns dann zum Lahnbahnhof und erläuterte mit geeignetem Bildmaterial die Entstehung dieser Bahnstrecke, ihre frühere Bedeutung vor allem für die Beförderung von Eisenerz der Grube Maria am Lahnbahnhof und umliegender Gruben bis zum letzten Erz der Grube Fortuna (1980 bis 1983).

Mit Hilfe von Bildern und Fotos zur ehemaligen Ernstbahn zwischen Leun/Lahnbahnhof nach Braunfels konnte die einstige Bedeutung des Personen-Nahverkehrs für Erholungssuchende im Luftkurort Braunfels anschaulich dargestellt werden.

Für den heutigen Tourismus könnten die aus der karolingischen Zeit stammende Martinskirche und die ausgegrabenen Behausungen des erloschenen Ortes „Loynmitte“ interessant werden.

Als Kirchenbau für das Lahngebiet ist dieses Bauwerk  von großer Bedeutung, denn überraschenderweise wurde kein rechteckiger oder halbrunder Chorabschluss freigelegt, sondern ein kleeblattförmiger Chor. Diese Art von  Kirchenbau hat Seltenheitswert.  Scherben von Glasfenstern mit Resten von Bleieinfassungen und ein 30 Kilogramm schweres Fragment einer Kirchenglocke aus einer hochwertigen Kupferlegierung deuten auf eine herausragende Anlage der damaligen Zeit hin. Es fanden sich auch mehrere Skelette, darunter auch Kinder- und Säuglinge. Im 14. Jahrhundert ist die Kirche im Zuge von kriegerischen Auseinandersetzungen vermutlich durch die Stadt Wetzlar zerstört worden. Es wurden Brandspuren am Fundort festgestellt.

 Beim Ausbau und Umbau der B49  wurden in der Nähe der Martinskirche  auch Reste einer Siedlung aus dem 8. Jahrhundert nachgewiesen.  Der in den Urkunden verwendete Begriff  „Loynmitte / Lonmitte“ bezieht sich vermutlich  darauf.  Keramik- und Schlackenfunde deuten auf einen Handelsverkehr und Erzverhüttung hin; eine Schenkungsurkunde aus dem 8. Jahrh. belegt die Existenz der Siedlung; das Kloster Fulda bekam urkundlich belegt immer wieder Eisenabgaben; etwa um 1440 ist der Ort erloschen.

Diese beiden Ausgrabungsstätten wurden wegen des Umbaus der B49 zwar wieder versiegelt.  Wünschenswert ist jedoch die Einrichtung eines Denkmals. Durch Aufmauerung auf den Originalfundamenten könnte in Verbindung mit einer Informationstafel ein attraktiver Besichtigungsort entstehen (z.B. ein  „Fenster in die Geschichte“).

Die Tour führte wegen der Bauarbeiten an der B49 über den Ortsteil Lahnbahnhof, entlang der Lahnberge nach Tiefenbach/Stockhausen. Hier wurde die Radwegekonzeption des Lahn-Dill-Kreises erörtert, zu der die Kommunen Vorschläge machen sollten.

Es sollte/könnte eine direkte Verbindung von Leun nach Biskirchen in Nähe der Lahn geschaffen werden (Pendlerweg), der auch touristisch mit entsprechenden Angeboten genutzt werden könnte.

Bilder von der alten Lahnbrücke bei Tiefenbach/Stockhausen und den alten  Lahnhäfen in Höhe von Tiefenbach/Stockhausen weckten erneut das Interesse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Hier florierte der Gütertransport zwischen Tiefenbach und Stockhausen. Die Plätze am Ufer der Lahn eignen sich heute auch für Rastplätze. Eine Tischgruppe, Erholungsbänke oder eine Anlegestelle könnten hier für Lahntouristen interessant werden. Weil es in Leun auch keinen Zeltplatz und Wohnmobilstellplatz mehr in der Nähe der Lahn gibt, wäre auch zu überlegen, ob in Stockhausen an der Lahn oder an einer anderen Stelle in Leun ein solcher Platz alternativ entstehen könnte, so Magdalene Georg. Dagmar Schmidt ergänzte zudem, dass auf der Strecke zwischen Leun und Biskirchen keine Toiletten fehlen sollten.

Weiter ging es durch die Lahnwiesen nach Biskirchen zum Treffpunkt „Bischofskirche“. Einst vor über 1000 Jahren in der Nähe der Lahn gebaut, musste die Kirche wegen wiederkehrender Hochwassergefahr im Jahr 1871 aufgegeben werden. Heute erinnert das Denkmal im alten Friedhof an die Bischofskirche und an Pfarrer Wetz, der sich im letzten Jahrhundert für das Gemeindeleben und die Entwicklung von Biskirchen mit seiner Quelle verdient gemacht hat. Eine Sammlung von Grenzsteinen der Grenzen des Königreichs Preußen(KRP) und Herzogtums Nassau (HN) erinnern an das damalige so genannte “Ausland von Biskirchen“ nach Westen hin in Richtung Löhnberg sowie an alte Flurbegrenzungen.

Naheliegend war die nächste Station Getrudisbrunnen, benannt nach der Tochter der Hl. Elisabeth, Klostervorsteherin des Klosters Altenberg. Noch immer ist der „Born“ ein beliebter Treffpunkt für die Bewohner des Ortes. Die im Wasser vorkommenden Mineralien zeichnen seine hohe Qualität aus, die auch heute noch sehr viele Menschen aus der Umgebung zum Wasserzapfen nutzen. Die Quelle ist Eigentum der Gemeinde Biskirchen bzw. der Stadt Leun. Seit 1991 steht der Brunnen unter Denkmalschutz. Um den Erhalt kümmert sich dankenswerter Weise die Interessengemeinschaft Gerdrudisbrunnen (IB). Der Ausbau des Projektes erfolgt durch Leader, Förderung des ländlichen Raumes.

Unter dem Eindruck sanften Landregens ließen die Radtouristen  die Tour am  Minigolf- Platz in Biskirchen bei Kaffee, Kuchen auf der überdachten Terrasse  entspannt ausklingen.